Kabeldeutschland Problem

In einem schwachen Moment Ende Oktober 2016 beschloss ich, ohne Mehrpreis von Kabel 100 MBit/s auf 200 zu wechseln. Das Modem von Cisco musste ich ein paar Tage später gegen das zugesandte von cbn tauschen.

Warum 200 MBit/s sich total langsam anfühlen können

Begeisterung wollte sich jedoch nicht einstellen, denn zwar wurden 200 MBit/s im Download erreicht, aber jeder Webseitenaufruf fühlte sich spürbar langsamer an, teilweise sogar wie im Schneckentempo – und zwar unabhängig vom Server. Meldungen wie “Verbindung wird hergestellt” und “Host auflösen” wechselten sich schier endlose Sekunden ab, bis überhaupt das erste Element (!) auf der Seite erschien, oft brach der Browser wegen Zeitüberschreitung ab. Wenn die Seite dann aufgebaut wurde, erschien sie aber meist schlagartig. Beim Neuladen mit F5 war die Seite fast immer sofort da. Die Verzögerung war auch nicht immer gleich, manchmal nur nervig mit 3-5 Sekunden, manchmal unzumutbar 15-20 Sekunden (!).

Versuche der Problembehebung

Da das neue Modem im Gegensatz zum alten ein Router war, dachte ich zuerst an Probleme wegen des doppelten Routing, falscher DNS-Konfiguration o.ä. und änderte die Konfiguration immer wieder.

Wegen der Wechselhaftigkeit des Problem konnte man nie sofort sagen, ob es sich eine Besserung eingestellt hatte – aber letztlich blieb das Problem unverändert. Die Statusseite des Modems zeigt übrigens immer nur perfekte Verbindung an. Google zeigte mir Mitte Dezember einen Forenbeitrag, in dem ein Kabeldeutschland Mitarbeiter das Problem auf die noch nicht ganz ausgereifte Firmware des CBN-Kabelmodems schob – eine neue würde in Kürze veröffentlicht. 4 Wochen wartete ich noch, aber das Problem bestand weiterhin.

Kontakt mit Kabel / Vodafone

Auf meine Kontaktaufnahme via Webinterface (eingeloggt) erhielt ich zwar eine Eingangsbestätigung, aber nie eine Antwort:

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Ich war also gezwungen, anzurufen, was ich am 31.01. auch tat. Tatsächlich hatte ich nach nur einer Minute einen Mitarbeiter an der Leitung. Dieser bestand zunächst darauf, dass im System keine Nachricht von mir gespeichert sei und die Störung bis dato also noch nicht gemeldet wurde. Er (!) wollte wissen, ob er das Problem nun unter “unzureichende Geschwindigkeit” oder “Verbindungsabbrüche” eingeben sollte. Wir entschieden uns für “Verbindungsabbrüche”. Er kündigte gleich an, dass das Problem vom automatischen Test vermutlich nicht gefunden werden könnte, und ich nach einer “Erfolgsmeldung” des Systems per Mail ggf. nochmal anrufen müsse und das Problem dann an der 2nd-Level-Support weitergegen werden müsse.

Der Spezialist am Apparat

Wie prophezeit musste ich am 01.02. dann auch anrufen, weil nämlich nichts besser wurde. Natürlich musste ich die ganze Geschichte nochmals erzählen und mir mehrmals anhören, dass ja nur 80% der Downloadrate garantiert würden, ich aber aktuell sogar 247 MBit/s habe. Auf meinen Einwand, dass trotzdem mein DSL6000-Anschluss in der Arbeit alle Webseiten in einem Bruchteil der Zeit anzeigen würde und ich mich beim Surfen in Modemzeitalter zurückversetzt fühle, konterte er nur, dass sein erster Internetzugang auch mit einem 14.4er-Modem erfolgte. Hellhörig wurde er aber beim Stichwort “Router” hinter dem Kabelrouter:

“Sooo, ich sehe: Sie haben eine Gerät am LAN-Port 1 unsere Routers”

“Ja, das ist der AirPort-Extreme-Router von Apple”.

“Ja… Moment:  das unterstützen wir aber nicht, einen anderem Router an unserem Gerät! Unser Support endet am Kabelrouter”

“Ich verstehe das,  aber am doppelten Routing liegt es nicht, das ging ja vorher auch; außerdem habe ich den Apple-Router inzwischen in den Bridge-Modus versetzt.”

“Ja, der Kabelrouter unterstützt auch den Bridge-Modus”

“Ich weiß, das habe ich auch schon probiert, aber das meine ich nicht. Ich habe den Apple-Router in den Bridge-Modus versetzt. DHCP macht jetzt der Kabelrouter”.

“Das funktioniert nicht!”

“Doch es geht schon; ich sehe ja, dass die IP-Adressen jetzt vom Kabelrouter kommen”

“Wie ist denn die IP-Adresse”

“Naja, 192.168. irgendwas”

“Und welche war es vorher?”

“10. irgendwas”

“Hach: Das geht ja gar nicht, das ist ja eine öffentliche IP-Adresse.”

“Nein, das ist die IP-Adresse die der Apple-Router vergeben hatte”

“Das ist dann ein Fehler von Apple, im LAN braucht man ja eine private IP-Adresse”

“Nein, das ist kein Fehler, 10.irgendwas ist eine private IP-Adresse und es hat ja auch funktioniert.”

“Äh.. Die Router mit dem angebissenen Apfel kenne ich nicht so. Ich verwende nur Netgear-Router, das sind die besten”

Ich verkniff mit den Hinweis auf massive Sicherheitslücken, die erst vor kurzem gerade in Netgear-Routern gefunden wurden.

“Ist ja auch egal, der Fehler tritt jedenfalls genau seit der Umstellung von 100 auf 200 MBit/s und dem Austausch des Kabelmodems.”

“Welches hatten sie den vorher”

“Weiß ich jetzt grad nicht, sagen sie es mir, sie sind doch von Kabel Deutschland”

“Aber nein, dass kann ich doch nicht wissen.”

“CISCO, es war ein Cisco”

“Sehen Sie, der konnte gar keinen Bridge-Modus!”

Ich versuchte dann nochmal zu erklären, dass nicht der Kabelrouter im Bridge-Modus läuft, sondern der von Apple. Ich hatte es zwar schon anders herum schon versucht, ohne Erfolg.

“Dann kann es sein, dass ein Service-Techniker kommen muss – aber ich sage ihn gleich, wenn es an ihrem Netzwerk liegt, müssen sie den Einsatz bezahlen”.

“Ich habe es doch auch schon direkt mit dem Laptop am Kabelrouter versucht, aber ohne Erfolg. “

“Ich meine ja nur.. Sie kennen ja den Vorführeffekt: Wie es der Zufall will, tritt der Fehler tritt nicht auf, wenn der Techniker da ist. Dann wird es teuer.

“Sie wollen mir also sagen, dass ich dafür auch noch Geld bezahlen soll, dass Sie mir keinen vernünftigen Internetzugang zu geben können und unfähig sind, das Problem zu finden …?”

Ich beendete das Gespräch an dieser Stelle mit ein paar durchaus freundlichen Worten.

Epilog

Merkwürdigerweise ging kurz danach das Internet gar nicht mehr. Ich vermutete Wartungsarbeiten am Kabelrouter oder sogar ein Firmwareupdate, aber auch nach einer Stunde tat sich nichts. Da ich telefonieren konnte, ahnte ich schon, was ich dann auch in der Arbeit nach Login auf der Vodafone-Seite bestätigt bekam:

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Da hatte doch dieser Vollchecker den Bridge-Modus für den Kabelrouter eingeschaltet! (Das geht Kundenseitig nur über die Webseite, nicht über den Router selbst). Damit ging natürlich das Internet gar nicht mehr, weil bei 2 Bridges hintereinander keine mehr routet. Ich habe den Bridgemodus dann wieder ausgestellt.

(wird fortgesetzt)

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