MIDI für Kirchenorgel – 1

Bei der Renovierung der Steinmeyer-Orgel meiner Kirchengemeinde hatte ich erstmals näheren Kontakt mit der Technik dieses Instruments. Anders als die historischen Kirchenorgeln (1), bei der Tastendrücke über mechanische Elemente die Ventile der Pfeifen betätigen, arbeitet dieses Instrument aus den 1950er Jahren mit elektrischen Schaltkontakten.

Über einen Transformator mit Gleichrichter (2) wird eine 12V-Spannung erzeugt, die über die Tasten im Spieltisch an die Magnetventile zu den Orgelpfeifen geführt wird (3) und diese ansteuert (4) . Vorteil dieses Systems gegenüber der mechanischen Ansteuerung ist u. A. die unproblematische räumliche Verteilung von Spieltisch und Pfeifen.

Die elektrische Ausführung unserer Orgel brachte mich sofort auf die Idee, die Orgel mit einer MIDI-Schnittstelle auszurüsten. Damit könnte man

  • Über MIDI-Out mittels eines Orgel-Expanders (Viscount CM-100) zusätzliche Klänge erzeugen.
  • Die Orgel über MIDI-In mit anderen Tasteninstrumenten von Ferne spielen (um beim Instrumentenwechsel in der Kirche Laufwege zu sparen).
  • Koppeln bereitstellen, die die Orgel nicht hat: P<I, I<II etc.
  • Über einen MIDI-Player die Orgel alleine spielen lassen.
  • Tastendrücke mit einer Fernsteuern simulieren zum Stimmen der Zungenregister ohne menschliche Hilfe.

Kaufen oder Basteln?

Fertige MIDI-Schnittstellen für den Einbau in Geräten gibt es von verschiedenen Anbietern, z.B. von Doepfer. Hier gibt es Module zur Umsetzung von MIDI in 64 Einzelleitungen als Eingang bzw. Ausgang im TTL(5V)-Pegel (kostet ca. 100 €). Für den Einsatz in der Orgel wäre zusätzlich eine Umsetzung von 12V in 5V (Spannungsteiler mit 2 Widerständen) und 5V in 12V (Transistoren) nötig. Die für 3 Manuale à 56 Tasten, das Pedal mit 30 Tasten und die 29 Registermagnete wären aufgerundet 256 Leitungen nötig. Zusätzlich zu den gekauften Modulen wäre also in jedem Fall ein erheblicher Aufwand an Elektronik nötig.

Ferner ist die Konfiguration der Module nur bedingt an die Notwendigkeiten in der Orgel-Installation geeignet, so hätte jedes 64-Bit-Modul 3 eigene 5-polige MIDI-Schnittstellen. Für eine wirklich sinnvolle Nutzung wäre zudem eine Bedieneinheit nötig (Anzeige, Tasten), die in jedem Fall selbst zu entwickeln wäre.

Insgesamt wäre der Entwicklungs-, Herstellungs- und Verkabelungs- Aufwand bei Verwendung einer Fertiglösung also nicht viel geringer, als wenn man gleich alles selbst macht. Ausnahme wäre der Einbau einer Komplettlösung, wie z.B. das Viscount Pipe Interface, das genau für die Verwendung in Pfeifenorgeln konzipiert wurde – allerdings preislich in einer anderen Liga spielt.

Damit war meine Entscheidung zugunsten einer reinen Selbstbaulösung gefallen.

Anmerkungen

(1) Heutige gebaute Orgeln sind wieder mechanisch. Angeblich hat das u. A. spieltechnische Gründe.

(2) Der Transformator arbeitet mit „Drehstrom“, d.h. 3-phasig, ebenso der Gleichrichter, so dass ohne jede weitere Glättung eine Gleichspannung mit nur 6% Restwelligkeit erzeugt wird.

(3) Je nach Orgelbauer wurden zwischen 12V und 24V verwendet und der Schalter entweder in die „+“ oder „-„-Seite („Hi-Side“/“Low-Side“) eingefügt.

(4) Genau genommen steuert das relativ schwache Magnetventil nur den Luftstrom in ein zweites, pneumatisches Ventil, dass dann den Luftstrom in die Pfeife freigibt, sofern auch der Luftstrom für die Pfeifenreihe dieses Registers durch ein Magnetventil freigegeben wurde.

Teil 2

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