Schrott verschrottet – So BRICKT man ein Atom-Netbook

image Groß war meine Euphorie anfangs, als vor 3 Jahren die Atom-Netbooks herauskamen. Endlich vernünftige Akkulaufzeit im Sofa-kompatiblen Format für akzeptable 400€. Richtig stolz war ich, dass ich dasMedion Akyoa E1210 ergatterte, das innerhalb von 15 Minuten bei Aldi ausverkauft war.

Schicker Schrott – Medion Akoya E1210

Umso größer die Enttäuschung: Akkulaufzeit: Anfangs knapp 2 Stunden, schon nach 1,5 Jahren gerade mal 60 Minuten. Ergonomie: zu kleiner Bildschirm, insbesondere die mageren 600 Punkte vertikal macht das Arbeiten mit fast allen Standardanwendungen zur Qual. Leistung: Selbst mit dem damals schon als anspruchslos geltenden Windows XP wurde die Sanduhr zum meistgesehenen Cursor-Symbol.

Die Aufrüstung auf 2GB RAM machte null Unterschied und auch die Testberichte kamen zu dem Fazit, dass eine schnellere Platte genausowenig bringt, weil es der Atom-CPU selbst für Standard-Aufgaben erheblich an Leistung fehlt!

Gute 2 Jahre habe ich mit dem Gerät herumgequält und oft lieber meinen älteren klobigen Toshiba mit 1,6 GHz-Intel-Dual-Core hervorgeholt, statt das schicke kleine Gerät. Nachdem dieser aber wegen Tastaturdefekt wirtschaftlicher Totalschaden wurde hatte ich (endlich ) einen Grund, einen neuen Laptop zu kaufen. Ein Lenovo 11,6-Zoll-Subnotebook mit Core-i3-UM. 4 Stunden Akkulaufzeit, passable Geschwindigkeit, 1280×768-Display – und das kaum teurer als die Medion-Kiste 2,5 Jahre zuvor!
Auf dem Atom-Netbook hatte ich zwischenzeitlich parallel Linux installiert (Ubuntu Netbook-Remix), in der Hoffnung, dass das wenigstens schneller war. Gefühlt war es das sogar, aber das Fehlen diverser Treiber (Drucker, Scanner) und einiger praktischer kleiner Windows-Programm (wie Irfan View) hat mich dann doch davon abgehalten, es wirklich zu nutzen. Ich wollte das Teil letztlich verschenken und dafür nochmal in den Auslieferungszustand versetzen – nur hat das Recovery trotz intakter Sicherungs-Partition nicht geklappt.

Ich musste also nochmal Windows XP installieren und stieß bei der Suche nach den Treibern (Man glaubt es kaum, aber die Medion-XP-Installations-CD hat keine AHCI-Treiber integriert, d.h. ohne nLite ist man da ziemlich aufgeschmissen) auf Foren-Einträge, wie man das E1210 per BIOS-Update auf das praktisch baugleiche MSI Wind um 25% übertakten kann. Das musste ich unbedingt ausprobieren, und obwohl es Beiträge von Nutzern gab, bei denen das nicht geklappt hat, wollte ich es einfach versuchen, auch auf das Risiko hin, Elektronik-Schrott zu produzieren.

Das BIOS-Flashen lief problemlos. Danach ging die Tastatur zwar nicht mehr, aber dieser Effekt war schon vorhergesagt worden. Nur leider blieb nach dem Aus- und Einschalten alles schwarz, selbst wenn man -wie empfohlen- gleichzeitig <Esc> beim Starten drückt. Trennen von Netz und Akku mit minutelangen Drücken des Einschalters konnten den Medion auch nicht reanimieren; auch die als Geheimtipp empfohlene Ausbauen der Pufferbatterie, Kurzschließen der Batterie-Anschlüsse und Gleichzeitige Drücken des Einschalt-Knopfes für 30 Minuten (das ich dann aber einen einklemmten Radiergummi habe machen lassen) änderten nichts am Tod des kleinen Schwarzen.

image Batterieanschluss Kurzschließen

image Einschalter-Drücken mit Radiergummi

Tränen kamen mir aber nicht gerade. Selten hat mich ein Computer so genervt wie dieses verkorkste Stück Technologie. Die 80GB-Platte werde ich ausbauen, auch wenn man damit heute ja fast nichts mehr anfangen kann. Der Rest verstaubt erstmal als potentielles Ersatzteillager für Freunde und Bekannte, die sich vielleicht mal Wasser über die Tastatur ihres Netbooks kippen, o.ä.

P.S.: Von Beileidsbekundungen bitte ich Abstand zu nehmen Glückwünsche werden entgegengenommen!

Nachtrag: Ich hatte schon vor, Teile des Netbooks für ein paar eindrucksvolle Fotos mit dem Vorschlaghammer zu zertrümmern, da meldete sich ein Interessent für die Ersatzteile. Die habe ich ihm dann auch gegen Erstattung der Versandkosten geschickt und nach seinen Angaben haben sie ihm weitergeholfen. So war der Tod des verhassten Teils doch nicht ganz umsonst

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