Bestehendes XP auf neue Hardware – nur 1 statt 3 Kerne

Immer wieder mal hat man das Problem, dass man ein installiertes Windows auf eine neue Hardware übertragen möchte. Das geht oft einfach so, wenn man im neuen PC den gleichen Chipsatz verwendet, oder wenigstens in der Familie bleibt. Beim Wechseln der Plattform versagt Windows allerdings beim Booten mit einem Bluescreen. Für diesen Fall gibt es bei Windows XP (ja, ich habe noch etliche PCs mit XP ) eine einfache Methode: Man legt im auf der alten Hardware laufenden Windows die Setup-CD ein und nach dem Autostart wählt man „Installieren“ und als Methode auf „Update“. Dann lässt man den PC arbeiten und in dem Moment, wo Windows zum 2. Mal neu startet, schaltet man den PC ab und baut die Festplatte in die neue Hardware ein (die Setup-CD braucht Windows auch noch). Es gibt auch andere Tipps, die aber irre kompliziert sind – auf die gerade beschriebene Art hat das bei mir schon mehrfach perfekt geklappt!

Bisherige Hardware ist defekt

Etwas schwieriger wird es, wenn die alte Hardware nicht mehr läuft. So war bei meinem MSI-Mainboard K9N-Platinum (nForce 570) mit dem Athlon 3800. Da gingen nämlich die SATA-Ports einfach nicht mehr: anfangs nur zeitweise (wirkte wie eine defekte Platte), dann gar nicht mehr. Nach langer Suche bin ich auf Acronis True Image Home 11 gestoßen, bei dem man -laut Hersteller- bei der Wiederherstellung das Image auf einer fremden Hardware installieren kann (Treiber auf CD oder USB-Stick vorausgesetzt natürlich)(1). Ich habe mir also eine CD davon besorgt, die alte Platte und eine neue Platte an die neue AM2plus-Hardware (ASUS M2N-68 plus basierend auf nVidia 7025/nF630a mit einem Athlon II-X3) gehängt und wollte ein Backup von der alten Platte machen und auf der neuen Platte wiederherstellen. Zum Booten von der Acronis-CD habe ich F11 gedrückt, aber das ASUS-BIOS hat das ignoriert. Auf jeden Fall startete statt Acronis nämlich das alte Windows XP.

Jetzt Reset drücken, könnte fatal sein, also ließ ich doch die alte Platte erst einmal das unveränderte alte Windows auf der neuen Hardware starten. Ständig auf einen Bluescreen wartend beobachtete ich den Bootvorgang. Zu allem Überfluss musste ich feststellen, dass der der SATA-Chip wohl ausgerechnet bei dem Versuch, SP3 für XP zu installieren, sein Leben ausgehaucht hat. Jedenfalls stellte Windows beim Booten fest, dass es ein Problem bei der SP3-Installation gegeben hatte und wollte diese rückabwickeln, während es gleichzeitig laufend neue Hardware fand – ohne passenden Treiber versteht sich. Nun, das konnte ja nicht gut gehen, dachte ich! Absolute Überraschung: Der Bluescreen blieb aus! Nach ca. 30min und Einlegen der ASUS-CD hatte ich jedenfalls ein einwandfrei laufendes System ohne jedes „gelbe Ausrufezeichen“ im Gerätemanager (2).

Das Kernproblem

Nur mal um zu sehen, wie meine 3 Kerne nun ausgelastet würden, startete ich den Taskmanager und musste überrascht feststellen, dass nur ein CPU-Kern angezeigt wurde! Im BIOS wurde aber die richtige CPU gemeldet und auch der Geräte-Manager hat 3 CPUs angezeigt. Auch CPU-Z zeigte den richtigen CPU-Namen an. Der Taskmanager und CPU-Z meldeten trotzdem nur einen Kern! Dieses Problem hat mich dann über 2 Stunden beschäftigt. Google brachte zu dem Problem viele Seiten, die aber großteils eher weniger brauchbar waren. Als vergebliche Fehlerbehebung habe ich versucht:

  • Option „1 Diagramm pro CPU anzeigen“ im Taskmanager aktivieren – war natürlich schon aktiviert.
  • BIOS-Update: Erst beim Update habe ich bemerkt, dass ich schon die neuste Version hatte. Wäre auch anders verwunderlich, denn das Board war nagelneu und 3-Kern-Athlons sind das ja nicht.
  • Neusten AMD-CPU-Treiber installiert
  • Den Startparameter von Windows, die Prozessoranzahl beim Booten zu begrenzen, in msconfig deaktiviert. Tatsächlich stand da, dass Windows nur einen Prozessor(-kern) verwenden soll! Ich wähnte mich schon am Ziel – aber auch nach Deaktivieren der Begrenzung war nur ein Kern aktiv.
  • ACPI-Multicore-PC im Gerätemanager wurde angezeigt. Da gab es auch nichts zu verbessern

Ausgelassen habe ich 3 Dutzend blödsinnigen Foren-Vorschläge, wie den Multi-Core-Optimizer zu laden (was soll da optimiert werden, wenn doch nur ein Kern von Windows erkannt wird…). Ebenso ignorierte ich alle dummen Sprüche, wie das Windows XP gar keine Mehrkern-CPUs unterstützt oder die immer wieder als Antwort gegebene Feststellung, dass das eben nicht ginge und Windows eben neu installieren müsse. Liebe Puristen: Allein der Versuch, diese alte Windows-Installation auf einem Neu-PC nachzubilden, hat mich schon mehr Stunden gekostet, als die hier beschriebene Fehlersuche – und funktioniert hat es auch nicht! Leider sind manche Programme so schwer zu konfigurieren, dass man die Mühen und Fallstricke eines Windows-Umzugs dafür gern in Kauf nimmt!

Die Lösung

Schließlich stieß ich auf einen Blog-Eintrag, in dem das Problem beschrieben wurde. Wenn Windows installiert wird, wird die Hardware-Abstraction-Layer, genannt HAL, für den passenden PC-Typ festgelegt. Und die kann nachher nicht mehr so ohne weiteres geändert werden – u.a. auch nicht von einer Ein-Kern auf eine Mehr-Kern-CPU! In dem Blog wurde beschrieben, wie man manuell verschiedene HALs aus den CAB-Dateien extrahiert und die durch neu eingetragene Starteinträge in der Boot.ini als Harwareprofile aktiviert. Der Autor schreibt, dass man eben ausprobieren muss, welche HAL funktioniert – nun bei mir war das leider keine. Entweder stürzte Windows schon vor dem schwarzen Ladebildschirm „Windows wird gestartet…“ ab, oder blieb mittendrin hängen. In diesem Moment war ich sicher, dass ich die XP-Installation nun völlig zerschossen hätte , und startete als letzte Versuch noch die ursprüngliche Konfiguration (ohne untergeschobene HAL-Datei). Und siehe da: Die bootete nicht nur, sondern erkannte nun auch alle 3 Kerne! Keine Ahnung warum!

Bei der Suche nach dem Blog-Eintrag, um ihn zu verlinken, stieß ich nun auf einen einfachere Anleitung. Das geht so (habe ich aber nicht ausprobiert):

  1. Windows-R drücken
  2. msconfig eingeben
  3. erweiterte Option
  4. Prozessorzahl Haken raus
  5. bei HAL ermitteln Haken rein
  6. neustarten

Vielleicht könnt ihr Euch so 2 Stunden Arbeit ersparen…

:
(1): Inzwischen habe ich diese Funktion bei einem anderen PC getestet; ein USB-Stick wurde als Quelle für die Treiber akzeptiert und laut des Programms wurden auch Treiber ausgetauscht, aber das Ergebnis der Wiederherstellung war ein nicht-bootendes System.
(2) Windows Update brachte dann SP3 und weitere 400MB (!) an Updates, davon sogar 4 für die Hardware (AMD-CPU, Chipsatz), die ich in 90 Minuten lang brav installieren lies. Treiber-Updates über Windows-Update sind bei Windows XP eigentlich eine Seltenheit, wohl auch nicht ohne Grund: Nach dem Update funktionierte der LAN-Treiber nicht mehr und ich musste den alten Treiber von CD installieren.

Dieser Beitrag wurde unter Software veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.