Android Wear 2.0 – Google kann’s nicht

Dass sich die Android Smartwatches im Vergleich zur Apple Watch schlecht verkaufen, habe ich anfangs nie verstanden. Ich finde die praktisch und bin seit der ersten LG Watch Anwender.

Nachrichten lesen, ohne das Smartphone zu zücken ist für mich ein Vorteil. Schon mit Android Wear 1.x war es möglich, der Uhr eine Antwort zu diktieren oder (etwas später) per Spracheingabe eine Nachricht zu verfassen – Dinge die die erste Apple Watch nicht konnte.

ASUS Zenwatch 3 – wer damit nicht ausflippt, ist wahrer Zen-Meister

Die LG Watch habe ich nach einem Jahr gegen eine ASUS Zenwatch 3 getauscht, weil diese im Gegensatz zur LG auch über WLAN mit dem Smartphone verbunden bleibt, was für mich essentiell ist, weil ich das Handy nicht immer bei mir habe, aber immer im selben WLAN bin.

Nur: Funktioniert hat es manchmal einfach nicht. Handy und Uhr waren nicht verbunden, obwohl im gleichen WLAN. Zwischendurch gab es immer wieder mal Kopplungsanfragen per Bluetooth aus heiterem Himmel. Die Akkulaufzeit war so schlecht, dass ab 21 Uhr (15% Akku) der Energiesparmodus gestartet wurde, d.h das Display blieb aus – wozu dann eine Smartwatch? Auch die z.B: im Auto sehr praktische Diktierfunktion ging manchmal nicht. Die Spracheingabe wurde korrekt erkannt (das kann man auf dem Display sehen) Nur die Umsetzung fehlte. Es hieß dann “versuche es erneut…”. Ich hoffte immer Auf Wear 2.0, das schon längst vorgestellt, aber für die Zenwatch über Monate nicht veröffentlicht wurde.

Die Krönung war, dass nach 4 Monaten die Stegverankerung an der Uhr ausbrach – ohne jede Gewalt, einfach beim normalen Versuch, das Armband zu öffnen. Bei der Uhr meines Sohns ist dasselbe am nächsten Tag passiert. Gut, dass die Rückgabe bei Amazon problemlos war.

review image

Das war’s dann für mich. Das Kapitel “Smartwatch” war für mich erst einmal beendet.

Huawei Watch 2

6 Monate später: Neuer Anlauf mit der Huawei Watch 2. Eher sportlicher im Aussehen aber nach den Rezensionen für mich die richtige Uhr, weil hier erstmals 2 Tage Akkulaufzeit und Display ohneFlat-Tire” vereint werden.

image

Interessant ist übrigens, wie alle Rezensenten von älteren Uhren mit “Flat-Tire” (fehlendes Kreissegment unten im Display) das Märchen der Hersteller wiederholen, dieser Platz sei vom Helligkeitssensor belegt. Eine Fotodiode/Fototransistor braucht weniger als 1 mm^2 – dafür müsste man nicht 10% der Displayfläche opfern. Der Platz wird von der Displayansteuerung belegt, wenn man das so fertigen will (weil es technisch einfacher ist). Sieht halt doof aus.

Mit der Hardware habe ich soweit keine Probleme, auch wenn der Schrittzähler nur einen von 10 Schritten zu zählen scheint. Ich verwende ihn nicht.

Ich hatte gehofft, mit Android Wear 2.0 seien die Probleme von 1.x behoben. Leider gibt es immer noch zahllose schwere Fehler:

  • Weiterhin im WLAN Verbindungsabbrüche (wenn auch viel seltener) und unsinnige Kopplungsanfragen per Bluetooth.
  • Alle paar Tage völlig unmotivierte Reboots.
  • Sehr häufig, d.h täglich Hänger in der Benutzeroberfläche, d.h auf Tastendrücke oder Wischgesten reagiert das System mit vielen Sekunden (!) Verzögerung. Manchmal ist es unbenutzbar.
  • Aber auch ohne Hänger ist das System zu langsam. Ein Tippen auf das Glas sollte das Display “aufwecken”. Es wird auch sofort heller. Aber bis dann die zusätzlichen Symbole (Sekundenzeiger, Nachrichtenzähler…) eingeblendet werden, vergeht über eine Sekunde! Dasselbe gilt für Tastendrücke. Der obere Knopf soll die Apps einblenden. Bis das System damit fertig ist und die ruckelige Anzeige ruht dauert es 2 Sekunden! Auch das Starten von Apps ist langsam. Die ja wirklich nicht allzu komplexe Timer-App braucht z.B. über 2 Sekunden. Gefühlt ist die Geschwindigkeit seit Wear 1.x eher schlechter geworden – das ist umso bedauerlicher, als die Verzögerungen wirklich lästig sind und Google ja von Android 4.0 auf 6.0 sogar deutliche Geschwindigkeitssteigerungen erzielen konnte!
  • Manchmal werden Meldungen z.B. von Whatsapp einfach nicht auf dem Display angezeigt. Nur am “Nachrichtenzähler” (Glockensymbol auf der Uhr, sie Bild oben) sieht man dann, dass eine eingegangen ist.
  • Das Diktieren geht manchmal nicht. Ich sage “OK Google. Schreibe eine Telegram-Nachricht an Max”. Im Display erscheint der Befehl mit “Max Mustermann” – Google hat also den Kontakt erkannt (es gibt nur einen “Max” in den Kontakten). Trotzdem fragt Google dann “An wen soll ich die Nachricht senden?” Ich antworte “Max Mustermann”. Der Name erscheint im Display. Und wieder kommt die Frage “An wen soll ich die Nachricht senden?” …

Das Bedienkonzept ist zwar besser als das bei 1.0, aber immer noch unpraktisch:

  • Eine versehentlich weggewischte Nachricht (und das passiert leicht wegen der z.T. sehr zähen Benutzeroberfläche) kann nicht wieder angezeigt werden – weg ist weg.
  • Es gibt keine Möglichkeit, festzustellen, welche App eine Nachricht sendet. Nicht immer gibt es ein eindeutiges Icon dazu. So hat es mich Tage gekostet, bis ich die penetrante und völlig unsinnige Aufforderung, ich sei “seit über einer Stunde inaktiv” und möge doch bitte ein paar Dehnübungen machen, der Huawei-Health-App zuordnen und deaktivieren konnte.
  • Das Deaktivieren von Nachrichten ist sehr mühsam. Standardmäßig habe leider alle Handy-Apps die Berechtigung, Nachrichten an die Uhr zu senden. Bei dieser Voreinstellung ist die Uhr mehr Ablenkung als Hilfe.

Fazit

Android Wear ist auch in der Version 2 nicht praxisreif. Besonders die zahlreichen z.T. wirklich heftigen Fehler sind angesichts der langen Entwicklungszeit ein Armutszeugnis für Google.

Dieser Beitrag wurde unter Android veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.